035

Reiseberichte

Viaggio Fiorentino
Mai 2019

Ende Mai 2019 unternahm eine Dante-Reisegesellschaft von 30 Personen unter der Führung der geschätzten Presidentessa DDolm. Prof. Trude Graue eine Kulturfahrt nach Florenz. Die Reise war durch eine Power – Point-Präsentation mit dem Titel „Florenz – Stadt der Kaufleute, Künstler und Mäzene, Perle der Renaissance“ umfassend vorbereitet worden.

Florenz – der Name der Stadt ist zugleich ihr Programm: Die Hauptstadt der Toskana wurde im Jahre 59 v. Chr. von C. J. Caesar zur Ansiedlung und Versorgung seiner Veteranen als colonia Florentia nach dem Schema eines römischen Lagers mit den Achsen cardo und decumanus (noch heute gut im Stadtplan erkennbar) gegründet. Der Name („Sie möge blühen“) sollte ihr Glück bringen und hat, wenn man die Stadt heute betrachtet, Wort gehalten. Eine blühende Lilie mit zwei Staubgefäßen, eigentlich eine Iris, erstmals 1252 auf der in Florenz geprägten Goldmünze, dem Fiorino, als Hoheitszeichen verwendet, ist zum Symbol der Stadt geworden. Zur Wahl dieses Zeichens hat entweder das häufige Vorkommen dieser Blume rings um Florenz geführt (heute gibt es nahe dem Piazzale Michelangelo den Giardino dell´ Iris) oder der Bezug der Blume auf die Gottesmutter, welcher die fromme Stadt den Dom Santa Maria del Fiore geweiht hat.

tl_files/img/userbilder/reisen/kulturreisen/Firenze 2019/firenze (1).JPG

Ein Besuch in Florenz wird immer – oder vielleicht nie – zufriedenstellen, je nach eigener Erwartungshaltung. Einerseits ist es die Fülle an Meisterwerken der Architektur und der bildenden Kunst, die unüberschaubar ist, andererseits sind die auf- und mitgenommenen Impressionen wirkungsvoll genug, um eine  lange und intensive Beschäftigung danach zu verlangen. Was sich in der Stadt am Arno dem Auge bietet, erweist sie als Metropole der Kunst, insbesondere der Renaissance, und spiegelt die sichtbar gewordene Form einer erstaunlichen Entwicklung wieder. Trotz ständiger bewaffneter Auseinandersetzungen mit den Nachbarstädten, trotz innenpolitischer Macht- und Parteikämpfe etablierte sich bereits 1282 eine Art von demokratischer Regierung, das Priorat. Alle öffentlichen Ämter waren darin den Mitgliedern der Handwerksgilden oder -zünfte vorbehalten. Es gab sieben Arti Maggiori (Höhere Künste) und neun Arti Minori (Niedere Künste). Demgemäß lag das Hauptgewicht der politischen und legistischen Maßnahmen auf der Stärkung der wirtschaftlichen Entwicklung bzw. der Schaffung optimaler Bedingungen dafür, auf dem Ausbau und der Sicherung der Handelswege und -beziehungen, auf der Förderung des Bankwesens und der Geldpolitik, auf räumlicher Expansion zur Sicherung der materiellen Ressourcen und der machtpolitischen Einflussnahme. Am Ende des 13. Jhdts. hatte Florenz bereits etwa 100.000 Einwohner und war eine der größten Städte Europas.

Das Schicksal von Florenz ist verknüpft mit der Familie Medici wie mit keiner anderen. Die Medici, die infolge ihrer verschiedenen Geschäftstätigkeiten in mehreren Zünften vertreten waren, nutzten ihren Einfluss und wurden durch ihre Aufgeschlossenheit und Kunstaffinität zum Motor der Renaissance. Ihre Geschichte begann mit Cosimo de Medici (Il Vecchio, 1383 – 1447), einem Bankier, der sagenhafte Reichtümer anhäufte. Sein Vater Giovanni di Bicci de Medici hatte das Bankhaus gegründet, Cosimo baute es aus und machte es weltberühmt. Als Bankiers des Papstes besaßen die Medici ungeheure Güter, Ländereien, Manufakturen, Handelshäuser, Bergwerke und Minen. Sie investierten gewinnbringend in den Handel mit Tuchen und Seide. Ihre Berühmtheit erlangten die Medici aber nicht nur als Kaufleute und Politiker, sondern auch als bedeutende Kunstmäzene. Von Beginn an förderten sie Kunst und Architektur. Sie ließen den oft revolutionären Künstlern vollkommen freie Hand und bereiteten so den Boden für eine völlig neue Kunstepoche. Michelangelo, Leonardo da Vinci oder Botticelli arbeiteten und lebten ungestört in Florenz. Manchem Zeitgenossen erschien dieser verheißungsvolle Aufbruch geradezu wie das Erwachen aus einem Traum oder die Geburt eines neuen Menschen. "Rinascita" – "Wiedergeburt" nannte der Florentiner Künstler und Kunstkritiker Giorgio Vasari diese einzigartige kulturelle Blütezeit schon wenig später, im 16. Jahrhundert. Sein Etikett sollte bis heute Gültigkeit haben. - Der Mensch erwacht und bricht zu neuen Ufern auf, er revolutioniert Kunst, Kultur und Wirtschaft, er beginnt intensiv über sich selbst nachzudenken. Verstand und Sinne werden zu Instrumenten, mit denen er das bisherige Weltbild infrage stellt und seine Umgebung neu gestaltet. Das Irdische und die Bedingungen der menschlichen Existenz auf Erden rücken in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Traditionelle Kräfte wie die Religion oder überkommene Herrschaftsansprüche werden hinterfragt und nicht mehr unkritisch hingenommen. Als im Jahre 1453 das ehemalige Byzanz, die Stadt Konstantinopel, von den Osmanen erobert wird, fliehen viele Gelehrte und Geistesgrößen nach Italien. In ihrem Gepäck haben sie längst verloren geglaubte Texte und Abschriften der großen Denker und Redner des Altertums. Systematisch erarbeiten Gelehrte wie Marsilio Ficino und Pico della Mirandola auf der Basis dieser von ihnen ins Lateinische übertragenen griechischen Texte ein neues Menschenbild, dem die Künstler in ihren Skulpturen, Bildern und literarischen Werken Ausdruck verleihen.

tl_files/img/userbilder/reisen/kulturreisen/Firenze 2019/firenze (2).JPG

Unsere Wanderungen durch das immer wieder vom befruchtenden Mairegen benetzte Florenz waren thematisch gegliedert. Wir wurden abwechselnd von zwei kompetenten Führerinnen, Dr. Ruth Strasser und Dr. Helga Meighoerner, beide deutscher Zunge, gut, manchmal etwas detailverliebt, betreut. Sie gaben uns nicht nur Erklärungen zu den Bau- bzw. Kunstwerken, sondern wiesen auch hin auf die geistesgeschichtlichen Entwicklungen (Neuplatonismus), den Wandel des Religionsbegriffes (Einbeziehung bzw. Anerkennung der `heidnischen' Religion), den historischen und politischen Kontext (Gegensatz Guelfen – Ghibellinen, Verhältnis zum Papst) und die Entwicklungslinien an einzelnen Kunstwerken (z. B. Entdeckung der Zentralperspektive) hin. Das System der Kopfhörer erwies sich dabei als sehr vorteilhaft. Man durfte nur den Anschluss nicht verlieren, denn die Zahl der Touristen in Florenz ist teilweise, besonders an den „hotspots“, erdrückend und beeinträchtigt natürlich den Genuss am Geschauten ebenso, wie es die peniblen Sicherheitskontrollen an den meisten Besuchermagneten tun.

Der erste Tag führt uns in das politische Zentrum, auf die Piazza Signoria, unter der sich die Reste römischer Thermen und eines römischen Theaters verbergen. Der von dem mächtigen festungsartigen Bau des Palazzo Vecchio beherrschte Platz wirkt fast wie ein Skulpturenmuseum mit dem Reitermonument Cosimo I. als Imperator, dem Neptunbrunnen (ebenfalls Cosimo I. als Meeresbeherrscher), der Loggia dei Lanzi mit ihren mythologischen Statuen und schließlich mit Judith und Holofernes, dem David Michelangelos und Herkules und Kakus vor dem Palazzo. Der Bau des Palazzo, der von der 94 Meter hohen Torre di Arnolfo überragt wird, als eines gesicherten Versammlungsortes wurde von den Prioren 1298 beschlossen, der Auftrag an Arnolfo di Cambio vergeben. Der Festungscharakter des Palazzo hat seine guten Gründe. Das System der Signoria baute auf kurze Amtszeiten, deshalb hatten neun Mitglieder der Signoria, eben die Prioren, ihre Ämter nur zwei Monate lang inne, dann wurden sie von einer anderen Gruppe abgelöst. Drei von diesen stammten aus den unteren Zünften (Mittelschicht), fünf aus den oberen Zünften (Oberschicht). Der neunte und letzte Prior war der „Gonfaloniere della giustizia“, der "Bannerträger der Gerechtigkeit" und somit de jure oberster Lenker der Stadt. Die Prioren wurden nicht auf demokratische Art und Weise gewählt, sondern durch ein Losverfahren ermittelt. Die Beamten durften während ihrer Amtszeit (aus Gründen der Bestechung und Bedrohung) das Gebäude, welches gegen Angriffe leicht zu verteidigen war, nicht verlassen. Die wenigen Fenster des Erdgeschosses sind sehr hoch angebracht, klein und vergittert, das Eingangsportal eher klein. - Die Wartezeit im Cortile bietet uns Gelegenheit, die 14 Freskenbilder habsburgischer Städte an den Arkadenwänden zu betrachten, die Vasari 1565 anlässlich der Hochzeit von Francesco I, Sohn von Cosimo I, mit Johanna von Österreich, Schwester Kaiser Maximilians II., als Willkommensgruß geschaffen hat. Unser Weg durch den Palazzo sei kurz nachgezeichnet: Über die Prunkstiege erreichen wir zuerst den prächtigen Saal der Fünfhundert, unter Savonarola errichtet und unter Cosimo I. großzügig ausgestattet, dann die Gemächer der Medici-Päpste Leo X. und Clemens VII., die Quartieri degli Elementi mit der Terrasse des Saturn und die Gemächer der Eleonora von Toledo, Gattin von Cosimo I. Der Palazzo hieß anfänglich Palazzo dei Priori, dann Palazzo della Signoria, unter Cosimo I. Palazzo Ducale, und als Cosimo I. in den neuen Palazzo Pitti übersiedelte,  nannte man ihn Palazzo Vecchio. Die machtpolitischen Veränderungen der Zeit werden an dem Palast sichtbar durch zwei Arten von Zinnen: Der Wehrgang ist mit den rechteckigen Zinnen der papsttreuen Guelfen bestückt, der Turm hingegen mit den schwalbenschwanzförmigen der dem Staufenkaiser ergebenen Ghibellinen. (Diese Zinnenform ist zum Auflegen der Armbrust besser geeignet.) - Im Anschluss daran steuern wir den Palazzo Medici-Riccardi in der Via Cavour an. Cosimo der Alte, Patriarch der Familie Medici, beauftragte Michelozzo di Bartolomeo 1444 mit dem Bau des Palazzo nahe der Kirche San Lorenzo. Es war dies der erste Palast von Florenz mit einer klaren Renaissanceprägung. Nachdem Cosimo de Medici zum Großherzog aufgestiegen und 1540 in den Palazzo Vecchio umgezogen war, wurde der Palast noch bis 1659 von weniger bedeutenden Familienmitgliedern bewohnt, bis Ferdinando II. ihn an die Grafen Riccardi verkaufte (daher der Doppelname). Während des Wartens auf den Einlass sehen wir uns im klassizistischen Cortile um, der geschmückt ist mit dem bekannten Wappen der Medici (6 pallini bzw. pillole in Anspielung auf den Namen 'medici - Ärzte') Eine Statue des Sängers Orpheus mit Cerberus von Baccio Bandinelli verdient ebenfalls Beachtung. Prunkstück des Primo Piano ist die Cappella dei Magi mit dem Zug der Magier über drei Wände, beinhaltend die Darstellung der Mitglieder der Familie Medici durch Benozzo Gozzoli, weiters die Spiegelgalerie mit dem barocken Deckenfresko von Luca Giordano, eine Apotheose der Familie Medici.

Für den nächsten Tag steht der Besuch des religiösen Zentrums, der Piazza del Duomo, auf dem Programm. Umbrandet von Touristenwellen hören wir zuerst einiges über die Geschichte und den architektonischen Aufbau des Baptisteriums San Giovanni. Die Überlieferung berichtet von einem Tempel für den römischen Kriegsgott Mars, der zu einer christlichen Kirche umgewidmet wurde. Das heutige Gebäude entstand zwischen 1059 und 1150 und ist das älteste Bauwerk des Platzes. Der achteckige Zentralbau wird von einer achteckigen Pyramide gekrönt – Abbild eines geschliffenen Edelsteines. Der Meister des Bauwerkes ist unbekannt. Die weiß-grüne, streng geometrische Marmorverkleidung aus aufgesetzten Platten in vertikaler und horizontaler Gliederung verleiht dem Baukörper Geschlossenheit und eine Art von spielerischer Leichtigkeit. Der Innenraum wird beherrscht von der Kuppel, einer Doppelschalenkonstruktion, mit großartigen Mosaiken in byzantinischer Manier: Christus als Weltenrichter mit den Erwählten und Verdammten wird in acht konzentrischen Kreisen umgeben von Szenenfolgen aus dem AT und dem NT. Beeindruckend sind die drei Bronzeportale von Andrea Pisano bzw. Lorenzo Ghiberti, dessen Meisterwerk, die Paradiestür gegenüber dem Domeingang, auf zehn Reliefbildern Darstellungen von Geschehnissen des AT darbietet. Die originalen Bildtafeln sind im Dommuseum ausgestellt. - Den Dom Santa Maria del Fiore, mit dessen Bau 1296 vom bereits erwähnten Stadtbaumeister Arnolfo di Cambio begonnen wurde, besichtigen wir leider nur von außen. Er ist die viertgrößte Kirche Europas und in Rivalität zu den konkurrierenden Städten Siena und Pisa errichtet worden. Der heutige Riesenbau mit einer Länge von 153 Metern ist zur Gänze mit farbigem Stein verkleidet, weißem Marmor aus Carrara, hellrotem aus der Maremma und der pietra verde aus der Gegend von Prato. Die jetzige Fassade stammt aus dem 18. Jhdt. Der Figurenschmuck früherer Fassadengestaltungen ist im Museo dell' Opera del Duomo zu sehen. Dort werden all jene Kunstwerke bewahrt, die am Baptisterium, am Dom und am Campanile zum Zwecke des Schutzes abgenommen wurden, etwa die drei Bronzetüren des Baptisteriums, die Reliefs und Statuen des Campanile von Giotto, im Chorsaal die Sängerkanzeln (cantorie) von Donatello und della Robbia, aber auch die Fassade der Vorgängerkirche Santa Reparata und die Figuren der Fassade von Arnolfo di Cambio. Einen eigenen Raum beansprucht die maßstabgetreue Nachbildung der Domkuppel, auf deren Original sich von der Terrasse der obersten Etage des Museums ein grandioser Blick bietet. Nach der Umrundung des Domes erfolgt ein letzter Halt vor dem Campanile. Der gotische Glockenturm, 82 Meter hoch und auf 414 Stufen zu ersteigen, mit ähnlicher Außenverzierung wie Dom und Baptisterium, gilt als der schönste Italiens und wurde von Giotto 1334 begonnen. Auf jeder Turmseite erblicken wir zwei Reihen von Reliefs vor allem von Andrea Pisano und seiner Werkstatt mit unterschiedlichsten Themen, die Kulturleistungen der Menschheit darstellend. In der dritten Zone stehen in 16 Nischen Sibyllen und Propheten, die das Reich Christi verkündet haben.

tl_files/img/userbilder/reisen/kulturreisen/Firenze 2019/firenze (3).JPG

Der letzte Programmpunkt des heutigen Tages ist Orsanmichele, eigentlich San Michele in orto. Das Gebäude diente ursprünglich als Getreidebörse mit darüber befindlichen Kornspeichern, dann war es das Oratorium der Getreidehändler. Bedeutsam sind die Statuen in Nischen an der Außenseite. Besonders hingewiesen werden wir auf Donatellos Heiligen Georg als Patron der Waffenschmiede und auf die Quattro Coronati (vier gekrönte Märtyrer) von Nanni di Banco, welche die Maurer, Steinmetzen, Zimmerleute und Tischler verehrten.  

Für Interessierte ist an diesem Tag noch eine Besteigung der Domkuppel vorgesehen und angemeldet. Nach einigen Missverständnissen und langem Verhandeln gelingt es Dr. Boehm-Bezing doch, die Erlaubnis für unseren Eintritt zu bekommen. Über 463 Stufen steigen wir bis zur Laterne, die Gesamthöhe der Kuppel beträgt 114 m. Sie wurde von Filippo Brunelleschi, einem Gold-schmied, entworfen, die Bauleitung musste er sich mit Ghiberti teilen. Brunelleschis genialer Einfall war es, auf ein Bodengerüst, das eine Höhe von 100 m erreicht hätte, zu verzichten. Nach dem Beispiel römischer Bauten (Pantheon in Rom) verlegte er die Ziegelsteine im Fischgrätmuster, so dass die emporwachsende Kuppel sich mit einem Klettergerüst selbst tragen konnte. Die Kuppel wurde in nur 16 Jahren (1420 – 1436) errichtet und ist zweischalig, die innere Schale ist etwa 4 Meter dick. Von der Kuppelbasis aus erblickt man das größte Fresko der Welt, das Jüngste Gericht, auf 4000 m², das Vasari 1572 begann und Frederico Zucchari 1578 vollendete. Die Kuppel wurde zum Abbild und Symbol der politischen und wirtschaftlichen Größe der Republik Florenz, sie ist ein Wunderwerk an Kreativität, Ingenieurskunst und Technik und zählt zu den größten Leistungen der Menschheit. Von der Laterne aus weitet sich der Blick über das Terrakottameer der Dächer der Stadt und die aufragenden Kirchtürme bis zu den grünen Kuppen und Hügeln der Toskana, die Florenz umschließen.

Das Hügelgebiet um Florenz und die Franziskaner sind die Themen des dritten Tages. Die Olivetanerabtei San Miniato al Monte auf der anderen Seite des Arno erreichen wir diesmal mit dem Taxi, Wetter und Länge des Weges sind dafür verantwortlich. Vom Vorplatz der Kirche auf der Südseite des Arno auf einem der höchsten Punkte von Florenz eröffnet sich ein großartiges Panorama der Stadt zu ihren Füßen mit der alles überragenden Domkuppel im Zentrum. San Miniato feierte 2018 sein 1000jähriges Bestehen. Der Legende nach entstand die Kirche an dem Ort, an dem der heilige Minias starb, ein Märtyrer, der unter Kaiser Decius im Jahre 250 enthauptet wurde und mit dem Kopf unter dem Arm den Hügel hinaufstieg. Der heilige Minias war Florenz’ erster Märtyrer, ein armenischer Prinz, der seine Heimat verlassen hatte, um eine Pilgerreise nach Rom zu unternehmen. Er kam ungefähr um 250 in Florenz an und lebte dort als Eremit. Später wurde ihm auf dem Hügel, auf dem er starb, ein Schrein errichtet, und es gab dort bis zum 8. Jahrhundert eine Kapelle. San Miniato war zunächst ein Benediktinerkloster, seit 1373 wirken hier Olivetanermönche. Die Kirche („Haec est Porta Coeli“ steht auf der Türschwelle) ist ein typisches Beispiel der romanischen Architektur der Toskana und gilt als eine der schönsten Kirchen Italiens. Die Fassade ist ein charakteristisches Werk des abstrakten Inkrustationsstils der Florentiner Früh-renaissance. Die Verkleidung besteht aus weißem Carrara-Marmor und dunkelgrünem Serpentin. Die Zunft der Tuchkaufleute war für Erhaltung und Betrieb der Kirche zuständig. Der Adler auf den Warenballen war ihr Zunftzeichen, er krönt das Giebelfeld der Fassade. Das Innere der Kirche ist dreischiffig, im Zentrum erhebt sich ein kunstvolles Ziborium, die Capella del Crocifisso. Die Apsis ist erhöht über der Krypta mit den Reliquien des San Miniato und mit einem Mosaik „Thronender Christus zwischen Maria und San Miniato“ ausgestaltet. Die Wände der Kirche sind zur Gänze mit Marmorintarsien bedeckt, die Chorschranken und die Kanzel sind ebenso mit Marmorinkrustationen geschmückt wie der Fußboden und die Apsis, in der sich die eingelegten Muster der Fassade wiederholen. Zu erwähnen ist die Grabkapelle des Kardinals Jakob von Lusitanien, errichtet um 1465 im Auftrag von König Alfons von Portugal. In der Sakristei ist in den Deckenfresken das Leben des hl. Benedikt durch Spinello Aretino dargestellt.

Vor dem Abstieg über die monumentale Freitreppe, die vom Piazzale Michelangelo zur Kirche heraufführt, nehmen wir noch eine Nase voll des lieblichen Duftes, den ein üppiger Jasminstrauch ausströmt, mit uns. Wir kommen vorbei an der Franziskanerkirche San Salvatore al Monte, die Michelangelo seine „bella vianella“ nannte, zum Piazzale Michelangelo, dann setzen wir den Weg fort durch den Giardino delle Rose mit der Valigia Panoramica des Jean-Michel Folon, eines belgischen Künstlers, dessen Liebe und Leidenschaft dem Wunder Florenz galt. Die Deutungen dieses Objektes sind zahlreiche, u. a. Florenz bzw. den unvergesslichen Blick darauf durch den Rahmen des Koffers eben in einem Koffer mitzunehmen. An einer Ecke der Via San Nicoló kommen wir am Studio von Abraham Clet vorbei, eines französischen Künstlers, dessen Spezialität die Verwendung und Umgestaltung von Verkehrs-, meist  Einbahnschildern „Einfahrt verboten“ ist, wie man in den umliegenden Straßen bei etwas Aufmerksamkeit bemerken kann. Der Künstler entfremdet den weißen Querbalken auf unterschiedlichste, meist amüsante Weise. Über den Ponte alle Grazie, benannt nach einer Kapelle am Brückenende, streben wir durch den Borgo Santa Croce der gleichnamigen Basilika zu und werden von einem heftigen Platzregen erwischt. Santa Croce wird auch das Pantheon von Florenz genannt, weil sich hier die Grabmäler vieler bedeutender Persönlichkeiten befinden, etwa von Macchiavelli, Michelangelo, Galileo Galilei, Gioacchino Rossini. Santa Croce ist die größte und eine der bedeutendsten Franziskanerkirchen Italiens. Die Grundsteinlegung soll am 3. Mai 1295 stattgefunden haben. Der Entwurf stammte wiederum von Arnolfo di Cambio. Um das Jahr 1385 wurde die Kirche fertiggestellt. Zusammen mit dem Dom und der Dominikanerkirche Santa Maria Novella bildet Santa Croce den großartigen Dreiklang gotischer Sakralarchitektur in Florenz. An das dreischiffige Langhaus schließt sich ein Querhaus an und unmittelbar danach der schmale Chor, der von je fünf rechteckigen Seitenkapellen begleitet ist, die die Schmuckstücke der Kirche darstellen, da sie weitgehend mit Fresken ausgemalt sind. Erwähnt seien die Baroncelli- und Castellani-Kapelle sowie die Bardi- und Peruzzi-Kapelle. Am Rand des Kreuzganges auf der Südseite liegt die von Brunelleschi erbaute Pazzi-Kapelle. Die Pazzi waren eine Adelsfamilie, die den Medici im Kampf um die Macht unterlag. Bekannt ist die Pazzi-Ver-schwörung, die am Ostersonntag 1476 während des Hochamtes im Dom die Ermordung von Lorenzo dem Prächtigen und seines Bruders Giuliano zum Ziel hatte. Lorenzo entkam dem Attentat schwer verletzt durch Flucht in die Sakristei, Giuliano starb durch 19 Dolchstiche. Die wütenden Florentiner töteten die Verschwörer, die sie ergreifen konnten. Jacopo de Pazzi wurde aus einem Fenster gestoßen, von der Menge aufgegriffen, nackt durch die Straßen der Stadt getrieben und in den Arno geworfen. Der Familie Pazzi wurden ihre Florentiner Besitzungen weggenommen, jede Spur ihres Namens wurde getilgt. - Im Regen queren wir die Piazza Santa Croce. Unsere Führerin Helga bringt uns zu einem preisgünstigen Mittagessen in das nahe Ristorante Il Teatro gegenüber dem Teatro Verdi. Eine gebührende Stärkung weckt unsere Lebensgeister wieder.

„Kirchen als Repräsentationsort der führenden Familien“ steht als Motto über dem vierten Tag. Unser erster Besuch gilt dem Kloster San Marco. Die Kirche gehörte ursprünglich zu einem 1299 gegründeten Kloster der Vallombrosaner, einem Ordenszweig der Benediktiner, und wurde um das Jahr 1310 fertiggestellt. Später ging das Kloster auf die Silvestriner über, die ebenfalls zur benediktinischen Ordensfamilie gehörten. Im Jahre 1436 wurde San Marco den Dominikanern von San Domenico in Fiesole übergeben, da den Silvestrinern Laxheit in der Einhaltung ihrer Obser-vanzen nachgesagt wurde. Cosimo der Ältere übernahm die Erneuerung der Kirche und des Klosters, ohne dabei an Kosten zu sparen, außerdem stattete er die Bibliothek mit seltenen Büchern aus (Anfänge der Biblioteca Medicea Laurenziana, heute in San Lorenzo). Er erhielt dafür vom Papst einen Ablass; er hatte auch eine Zelle im Kloster, in die er sich zur persönlichen Einkehr zurückziehen konnte. Die beiden Kreuzgänge des Klosters wurden von Fra  Angelico und anderen Malern mit Fresken verziert. Werke des Fra Angelico, der eigentlich Giovanni da Fiesole hieß, aber wegen der Anmut seiner Werke der „Engelhafte“ genannt wurde, sind ausgestellt in der ehemaligen Pilgerherberge, im ehemaligen Kapitelsaal und im Kleinen Refektorium. Im Oberstock wird man von dem berühmten Verkündigungsfresko des Künstlers empfangen. Im von zwei Säulenreihen geprägten, ebenfalls freskierten Bibliotheksaal werden zahlreiche antike Hand-schriften ausgestellt. Alle Zellen, die unter einem offenen Holzdachstuhl liegen, sind mit Fresken-bildern von der Hand Fra Angelicos oder eines seiner Mitarbeiter geschmückt. Lieblingsgestalten sind der hl. Dominikus, der hl. Laurentius, die hlg. Kosmas und Damian und der hl. Petrus von Verona als Märtyrer mit blutigem Haupt. Am Ende der Zellenreihe liegt die Zelle Girolamo Savonarolas. Dieser war als Bußprediger von Lorenzo de Medici nach Florenz berufen worden und stieg bald zum Prior des Klosters San Marco auf. Savonarola predigte in flammenden Reden gegen den Prunk und die Lasterhaftigkeit der herrschenden Schichten und verlangte schließlich auch von den prunkverliebten Medici, auf die Macht zu verzichten. Lorenzos ältester Sohn Piero wurde nach dem Tod des Vaters dessen Nachfolger und regierte von 1492 bis 1494. Sein politisches Versagen und seine Vertreibung im November 1494 ebneten der Herrschaft Savonarolas den Weg, so dass dieser mehrere Jahre die Stadt regierte. 1495 untersagte ihm Papst Alexander VI., dessen Lebenswandel Savonarola heftig kritisierte, öffentlich zu predigen, doch Savonarola leistete dem Gebot keine Folge. Anfang Februar 1497 ließ Savonarola große Scharen von Jugendlichen und Kindern („Fanciulli“) durch Florenz ziehen, die „im Namen Christi“ alles beschlagnahmten, was als Symbol für die Verkommenheit der Menschen gedeutet werden konnte. Dazu zählten nicht nur heidnische Schriften oder freizügige Bilder, sondern auch Schmuck, Kosmetika, Spiegel, weltliche Musikinstrumente und -noten, Spielkarten, aufwändig gefertigte Möbel oder teure Kleidungsstücke.  All diese Gegenstände wurden auf einem riesigen Scheiterhaufen auf der Piazza della Signoria verbrannt („Scheiterhaufen der Eitelkeiten“) Sandro Botticelli warf einige seiner Bilder selbst in die Flammen. Im selben Jahr wurde Savonarola deshalb exkommuniziert und eingekerkert, bald darauf mit zwei Freunden zum Tode verurteilt und gehenkt, sein Leichnam wurde auf der Piazza Signoria verbrannt (Gemälde in seiner Zelle). Eine Marmortafel auf der Piazza kennzeichnet die Stelle seiner Hinrichtung. Alljährlich wird heute noch am 23. Mai durch einen Umzug Savonarolas gedacht, ein Blumenkranz auf seinem Gedenkstein auf der Piazza della Signoria deponiert, und vom Ponte Vecchio werden Rosenblätter in den Arno gestreut. Die evangelische Kirche Deutschlands verehrt Savonarola als Märtyrer, und Papst Johannes Paul II. leitete am 23. Mai 1998 auf Betreiben des Erzbischofs von Florenz ein Seligsprechungsverfahren ein.

Unseren nächsten Schwerpunkt bilden die Basilika San Lorenzo und die Medici-Kapellen. Die Kirche wurde als Hauskirche der nahe wohnenden Medici über einer romanischen Vorgängerkirche auf Veranlassung des Bankiers Giovanni de Bicci, des Urgroßvaters von Lorenzo dem Prächtigen, 1421 in Auftrag gegeben. Die Planung lag in den Händen von Filippo Brunelleschi. Die Fassade nach einem Entwurf Michelangelos ist nie fertiggestellt worden. Das Innere hat das Aussehen einer altchristlichen Basilika mit flach gedecktem Mittelschiff. Korinthische Monolithsäulen und Rund-bögen trennen das Hauptschiff von den Seitenschiffen, der blau-grüne Sandstein (pietra serena) steht im Kontrast zu den weißen Seitenflächen, die nischenartigen Seitenkapellen  vermitteln den Eindruck der Schlichtheit. Die Raumaufteilung soll klar, einfach und geordnet wirken. Brunelleschi verwirklicht hier sein neuartiges Konzept der Zentralperspektive. Die alte Sakristei ist der erste Zentralraum der Renaissance, ein vollkommen geometrischer Raum, bestehend aus einem halben Würfel, einem Pendentif (Hängezwickeln) und einer Halbkugel als Kuppel. Den plastischen Schmuck schuf Donatello. Hier sind Cosimos Eltern und seine beiden Söhne bestattet. In einer Seitenkuppel besticht die Darstellung der nördlichen Hemisphäre des Sternenhimmels, passend zum Datum 4. Juli 1442, einem für die damalige Zeit historischen Datum. Die Kirche selbst enthält neben anderen Kunstwerken zwei Bronzekanzeln als Werke Donatellos. Um die unter einer eigenen Kuppel liegende Neue Sakristei und die Medici-Kapelle zu erreichen, muss man die Kirche umrunden. Nach Durchquerung der Krypta gelangen wir zunächst in die Fürstenkapelle, einen überaus prunkvollen, mit farbigem Marmor geschmückten Raum, der den Reichtum und die Macht der Medici-Herzöge bezeugt. Hier sind sechs Großherzöge in granitenen Sarkophagen beigesetzt. Daran schließt sich Michelangelos Neue Sakristei. Links vom Eingang erhebt sich das Grabmal  des Enkels von Lorenzo dem Prächtigen, Lorenzo II., des Herzogs von Urbino, der 28jährig in geistiger Umnachtung starb. Michelangelo zeigt ihn in nachdenklicher Haltung (pensieroso) als Ver-körperung der vita contemplativa. Die liegende weibliche Figur gilt als Allegorie des Morgens, während die männliche Gegenfigur den Abend darstellt. Gegenüber sehen wir das Grab Giulianos, des Sohnes von Lorenzo dem Prächtigen und Herzogs von Nemours, der die vita activa verkörpert. Ihm zu Füßen lagern sich die Allegorien des Tages und der Nacht. An der Eingangswand steht Michelangelos Madonna lactans mit dem Kind zwischen den Heiligen Kosmas und Damian, den Schutzpatronen des Hauses Medici.

Für den Nachmittag ist der Besuch des Klosters Santa Maria del Carmine angesagt. Durch das Menschengedränge des Ponte Vecchio setzen wir wieder in das Oltrarno-Gebiet über. Der Ponte Vecchio, die älteste Arnobrücke, war um 1440 den Fleischerläden und Gemüsehändlern als Ver-kaufsort zugewiesen worden, um die übelriechenden Abfälle aus dem Stadtzentrum fortzuschaffen. 1565 baute Vasari auf Wunsch von Cosimo I. einen Verbindungsgang vom Palazzo Vecchio über die Uffizien und über den Ponte Vecchio bis zum Palazzo Pitti (Corridoio vasariano). Nunmehr war der üble Geruch so störend, dass Ferdinando I. 1593 die Geschäfte der Fleischer auf dem Ponte schließen ließ und sie den Juwelieren und Goldschmieden zuwies, die heute noch Touristen-magneten sind. - Wir genießen erstmals die florentinische Sonne, als wir auf unsere Führerin zuerst vor der Kirche, dann im Kreuzgang warten. Kirche und Kloster der Karmelitermönche (daher der Name) brannten 1771 bis auf die Sakristei und die berühmte Brancacci-Kapelle nieder, die heutige Barockkirche wurde in der 2. Hälfte des 18. Jhdts. erbaut. Den Auftrag zur Ausgestaltung der Brancacci-Kapelle gab der Seidenhändler Felice Brancacci. Ab 1424 arbeiteten hier zuerst Masolino da Panicale, mit ihm Masaccio (der „Koloss“ nach Aussehen und Temperament) und später Filippino Lippi. Dargestellt sind Szenen aus dem Leben des hl. Petrus und die Ursünde (Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies). Die biblischen Geschichten sind nicht an einem imaginären Ort der Vergangenheit  angesiedelt, sondern in der Toskana oder gar mitten in Florenz. Die verschiedenen Stile der drei Malerpersönlichkeiten treten deutlich zu Tage: Bei Masolino sind die Gestalten zart und elegant, ihre Konturierung ist graziös, Masaccio bevorzugt dramatischen Realismus mit schmerzverzerrten Gesichtern und leidenden Körpern, sein Pinselstrich ist großzügig, die Figuren sind nicht mit Linien gezeichnet, er setzt sie aus dem Kontrast von Licht und Schatten zusammen. Filippino Lippi wiederum als der späteste der drei ist kenntlich an einem gewissen Pathos, Verformung und Überhöhung des Naturvorbildes, der unruhigen Linienführung und der düsteren Farbgebung.

Über den Ponte alla Carraia geht es wieder zurück auf die andere Seite des Arno, zur Basilika Santa Trinità. Kirche und Kloster wurden in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts von der Ordensgemeinschaft der Vallombrosaner, eines Zweigordens der Benediktiner, gegründet. Der Ordensname wird vom Kloster Vallombrosa (Schattiges Tal) in Acquabella bei Regello (Toskana) abgeleitet. Der Innenraum der im Kern romanischen Kirche hat ein Hauptschiff und zwei Seitenschiffe mit Spitzbögen und Kreuzgewölben. Der dreiflügelige Hauptaltar zeigt auf der Mitteltafel eine Darstellung der Dreifaltigkeit (Santa Trinitá). Bedeutsam ist die Cappella Sassetti mit Szenen aus dem Leben des hl. Franziskus von Domenico Ghirlandaio 1462, Altarbild: Anbetung der Hirten. Wir werden hingewiesen auf die Tomba di Benozzo Federighi, eines Bischofs von Fiesole, 1454 von Luca Della Robbia geschaffen: Christus, die Jungfrau Maria und Johannes der Evangelist über dem schlummernden Bischof, darunter ein Lorbeerkranz mit Inschrift, von Engeln getragen. Von besonderem Interesse ist der Rahmen aus vielfarbiger Majolika mit Blumensträußen feinster Ausarbeitung in ovalen Umrahmungen. Salimbeni-Bartolini-Kapelle: Verkündigung, Hochzeit Marias von Lorenzo Monaco, Spini-Kapelle: Holzstatue der Büßerin Maria Magdalena, 1450 von Desiderio da Settignano. Die dem Bau vorgeblendete Renaissancefassade wurde von Bernardo Buontalenti 1593 geschaffen. Im Zentrum der Piazza della Trinità erhebt sich die Colonna della Giustizia, eine Porphyrsäule aus den Thermen des Caracalla in Rom, von Papst Pius IV. Medici 1565 dem Großherzog Cosimo I. anlässlich seines Sieges über Pietro Strozzi geschenkt.

Auf dem Weg ins Hotel machen wir noch einen Abstecher in den Mercato Centrale und seine Restaurant-Etage mit buntem Essens- und Getränkeangebot an ein ebenso buntes Publikum. Nach all der Kunst sind wir damit in die Gegenwart zurückgekehrt, zu pizza e birra, pesce e vino und einer partita di calcio von Fiorentina im TV-Apparat über unseren Köpfen.

Den Dominikanern, der Basilika Santa Maria Novella mit Kloster und Apotheke ist der letzte Halbtag gewidmet. Wir beginnen unsere Führung auf der gleichnamigen Piazza am Obelisken vor der Kirche. Die beiden Obelisken wurden 1608 anlässlich der Hochzeit von Cosimo II. mit Maria Magdalena von Österreich, später Großherzogin der Toskana, aufgestellt.

Bevor wir uns der Kirche nähern, besuchen wir die Klosterapotheke, die Officina Profumo - Farmaceutica di Santa Maria Novella. Sie ist eine der ältesten Apotheken der Welt, eröffnet von den Dominikanermönchen kurz nach dem Jahre 1221, und wird heute als historische Apotheke in den mit Fresken versehenen Räumen mit ehrwürdigem Holz-Mobiliar in teilweise musealem Charakter weitergeführt.  

Die Sichtseite der Basilika bildet eine Renaissance-Fassade, die dem gotischen Kirchenbau vor-gelagert ist. In ihren strengen geometrischen Formen und in der Verwendung verschiedenfarbiger Marmorarten erinnert sie an die Fassade von San Miniato. Der Architrav, der den Unterbau vom Oberteil trennt, ist geschmückt mit dem geblähten Segel, dem Wappen der Rucellai, einer Florentiner Kaufmannsfamilie, welche die Finanzierung der Fassade übernahm. Den Namen erhielt die Kirche nach einer kleinen Vorgängerkirche Santa Maria in Vigne, welche die Dominikaner bei ihrer Ansiedlung in Florenz übernahmen. Das Innere des Gotteshauses ist ein basilikaler Raum mit Querschiff und fünf Chorkapellen. Die Entwürfe für die gotische Kirche stammen von zwei Dominikanern, Fra Sisto und Fra Ristoro. Der Höhepunkt im Innern der hohen Kirche ist Masaccios Dreifaltigkeitsfresko (1427), dessen herausragende perspektivische Wirkung die Malerei der Renaissance revolutionierte. Auf wundersame Weise wirkt die flache Wand wie ein tiefes Gewölbe, in dem Gott Vater frei schwebend das Kruzifix mit dem gekreuzigten Christus trägt. Das Werk drückt die neue Geisteshaltung der Renaissance aus, weil die Stifterfiguren, das Ehepaar Lensi, in gleicher Größe und in der gleichen Gewandung dargestellt sind wie die Madonna und der hl. Johannes. - Das große Kruzifix, das in der Mitte des Hauptschiffes hängt, ist ein Werk Giottos um 1289.

tl_files/img/userbilder/reisen/kulturreisen/Firenze 2019/firenze (4).JPG

Die Fresken der Hauptchorkapelle (Cappella Tornabuoni nach dem Auftraggeber Giovanni Tornabuoni) von Domenico Ghirlandaio zeigen Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria und des Johannes. Ghirlandaio stellt detailgetreu und in unbeschwerter Darstellung Menschen und Gebräuche der damaligen Zeit dar. Die Cappella Filippo Strozzi rechts von der Hauptkapelle zeigt das Martyrium des Evangelisten Johannes und den Apostel Philippus, der einen Drachen aus einem Marstempel vertreibt, Werke des Filippo Lippi. Vom ersten Kreuzgang aus, dem Chiostro Verde, betreten wir die Spanischen Kapelle, Cappellone degli Spagnoli, den ehemaligen Kapitelsaal, in dem sich im 16. Jhdt. die Spanier im Gefolge von Eleonora di Toledo, der Gattin von Cosimo I., versammelten. Wir betrachten die eindrucksvollen riesigen Fresken von Andrea Bonaiuto, auch Andrea da Firenze genannt, aus dem Jahre 1360, sie stellen die streitbare und triumphierende Kirche vor (ecclesia militans, ecclesia triumphans). Der Dominikanerorden bereitet neue Wege zum ewigen Heil, der Künstler schildert Aufgabe, Tätigkeit und Triumph des Ordens. Die Menschen sind hier durch Schafe dargestellt, die von schwarz-weißen Hunden, den Dominikanern, bewacht werden, während die von den Hunden zerfleischten Wölfe die Ketzer verkörpern. Gegenüber sitzt der heilige Thomas auf einem Thron, über ihm die sieben Tugenden, ihm zur Seite die zehn bedeutendsten Lehrer des AT und NT, zu seinen Füßen die bekämpften Häretiker, in der untersten Reihe auf 14 gotischen Chorstühlen Frauenfiguren, die sieben freien und die sieben theologischen Künste symbolisierend. Im Durchgang zum zweiten Kreuzgang betreten wir das ehemalige Refektorium, heute ein Museum. Wir sehen hier, wie sehr das Arno-Hochwasser 1966 Fresken, u. a. von Paolo Uccello und Taddeo Gaddi, Einrichtungsgegenstände, Paramente etc. beschädigt hat. Der große oder zweite Kreuzgang ist komplett mit Fresken des 16. Jhdts. ausgestattet. Der Freskenzyklus beinhaltet die Darstellung des Lebens Christi und des hl. Dominikus, des hl Petrus Martyr und anderer dominikanischer Heiliger. - Bis zur Abfahrt unseres Zuges vom nahen Bahnhof bleibt noch Zeit für eine Stärkung, die wir an der Piazza Santa Maria Novella in der Pizzeria Dantesca in Form von Pizza und Wein zu uns nehmen.

„Se sai dove guardare, Firenze è il paradiso“ bemerkt Prof. Langdon zu seiner Partnerin Sienna in Dan Browns Thriller „Inferno“, dessen Handlung in Florenz spielt.

Nach diesem Ausflug ins Paradies ergeht einmal mehr ein aufrichtiges Dankeschön an unsere Presidentessa Frau DDolm. Prof. Graue für die sorgfältige Vorbereitung, die ideenreiche Planung und die umsichtige Durchführung dieser wie immer von allen Teilnehmern mit Vergnügen und Genuss erlebten Kulturreise.

Mag. Helmut Graf