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300 Jahre Hafen von Triest

Zu diesem Thema referierte in perfektem Deutsch vor übervollem Haus Dott. Andrea Gilli aus Triest, der uns von den Anfängen in römischer Zeit über den kleinen von der übermächtigen Republik Venedig bedrängten Fischerhafen, der sich den Habsburgern unterstellt, bis zur Erhebung zum Freihafen unter Karl VI führte. Erst jetzt erkannte man das Potential. Weitblick und Konsequenz seiner Tochter Maria Theresia und ihrer Söhne führten zur Erweiterung der an der Schnittstelle der drei großen europäischen Kulturen gelegenen Stadt und zur Ansiedlung von Menschen aus ganz Europa, die mit ihrer Kreativität und den Synergie-Effekten zum gemeinsamen Erfolg der Stadt beitrugen: „die Faszination von Triest war immer schon die Öffnung“.

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Zur Entstehung des Borgo Teresiano trug auch die Familie Rotschild (als Sponsor) bei, so dass Triest 1797 das Erbe von Venedig im Fernhandel (nach über 1.000 Jahren) antreten konnte: 1802 wird die Börse als „Tempel des Geldes errichtet und nach der Gründung wichtiger Versicherungs- und Schifffahrtsgesellschaften wird 1857/58 die 1. direkte Bahnverbindung von Wien nach Triest eröffnet, sowie die Transaplina von Villach über Görz nach Triest. – Zu dieser Entwicklung haben zahlreiche Entdeckungen und Neuerungen beigetragen: die Schiffsschraube von Josef Ressl, die Semmeringbahn von Karl Ritter von Ghega, sowie der bedeutende Beitrag zum Bau des Suez-Kanals durch Pasquale Revoltella. Die zwei Weltkriege bedeuteten das Ende des Triestiner Traums vom ersten Hafen in Europa. Der Hafen bleibt viele Jahre provinziell. Die Nutzung der ca. 44 ha großen Fläche des alten Hafens wurde erst möglich, als der italienische Staat die Verwaltung der Küstendomäne an die Gemeinde Triest übertrug, die nunmehr auf diesem Gelände neben einem Wassersportzentrum und einem großen Parkplatz auch Wohn- und Bürogebäude (auch für die Hafendirektion und Hafenpolizei), sowie ein Wissenschaftszentrum errichten will. Im neuen Hafen, der sich nicht im Westen der Stadt befindet, sollen die Molen 5, 6 und 7 bis 2025 erweitert werden, wobei die Plattformen von den 77km Bahngeleisen optimal bedient werden, die früher den alten österreichischen Staatsbahnhof (heute Bahn-Museum) mit dem Hafen verbanden.

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Der Fachmann auf dem Gebiet der Logistik, der diese Pläne ausgearbeitet und teilweise schon umgesetzt hat, kommt aus der Provinz Verona und heißt Dott. Zeno D’Agostino. Er will China eine Beteiligung am 200 Millionen Bahnprojekt ermöglichen, das zu dem von den Chinesen bereits ausgebauten Verkehrsknoten Kosice in der Slowakei führen und die Waren von dort weiter nach Osteuropa transportieren soll. Derzeit wurde ein Memorandum (Vorvertrag) unterzeichnet, das in 90 Tagen zu einer endgültigen Entscheidung führen soll.

Dott. Andrea Gilli ist Dolmetscher und Übersetzer, Fremdenführer und Leiter von Euroculture einer Sprachschule in Triest, die eine Vielzahl von Sprachen anbietet, - darunter auch Italienisch für Ausländer (allerdings nur für Gruppe) mit interessantem Besichtigungs- und Kulturprogramm.

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